Intermezzo | Mein Körper

Robert Gernhardt | Noch einmal: Mein Körper

Mein Körper rät mir:
Ruh dich aus!
Ich sage: Mach ich,
altes Haus!

Denk’ aber: Ach, der
sieht’s ja nicht!
Und schreibe heimlich
dies Gedicht.

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#8 | Geist und Maschine

Wir Menschen, daran kann kein Zweifel bestehen, sind biologische Maschinen. Das ist nichts Besonderes: Bäume, Farne, Ameisen, Eidechsen, Kolibris, Raben, Delphine, Katzen und Hunde sind ebenfalls biologische Maschinen. Und als biologische Maschinen funktionieren wir oft verblüffend gut — und natürlich manchmal auch weniger gut. Wir wissen inzwischen ziemlich viel darüber, wie die biologische Maschine in uns funktioniert. Wenn auch natürlich bei Weitem nicht alles.

Diese simple Aussage — wir wissen bei Weitem nicht alles — ist auf zweierlei Weise wahr. Zum einen können wir mit Fug und Recht sagen: Wir wissen zwar viel, wüssten aber gerne noch mehr. Zum anderen gilt auch: Wir wissen so gut wie nichts. Beide Aussagen sind wahr, je nach der Art und Weise, wie wir diese Frage auffassen.

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#7 | Ich und Welt

Was bisher geschah: Motivation ist das, was uns in Bewegung versetzt (#1). Unsere naive (Alltags-) Psychologie ist ziemlich klug (#2). Motivation zeigt sich an wirklich sehr vielen verschiedenen Phänomenen (#3). Es gibt einige Werkzeuge, anhand derer wir uns Motivation erklären können (#4). Tinbergens Idee ist das erste dieser Werkzeuge , denn er liefert die vier Grundfragen zur Erklärung von Verhalten (#5, #6).

Heute nun geht es um das in Beitrag #4 angekündigte zweite Werkzeug: Woher kommt die Motivation? Wie kommt Motivation überhaupt zustande? Hier ist der Zeitpunkt gekommen, um zuzugeben, dass meine bisherigen Beispiele — sagen wir: — in einer bestimmten Weise gewählt waren. Und zwar waren sie so gewählt, dass wir die Sache meist rückblickend betrachtet haben. Dann ist es recht leicht zu sagen, da muss Motivation im Spiel gewesen sein — schließlich hat uns bereits etwas in Bewegung versetzt. Das gilt für Johann Sebastian Bach und Bob Dylan, für M.C. Escher und P.G. Wodehouse, für Florian, der sich freut, und für Tim mit seinem Tattoo.

Umgekehrt ist es oft schwieriger: Woher weiß ich, was mich motivieren wird, und wohin die Reise gehen soll? Oder wann weiß ich, dass etwas mich doch nicht anhaltend motivieren wird, vielleicht wider Erwarten? Darauf gibt es zwei Antworten, die beide eine lange Tradition haben in Philosophie, Biologie und Psychologie.

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#6 | Stärker als Schmerz?

Nun also noch mal Tinbergen, genauer gesagt: Tinbergen, Tattoos und Handicaps. Warum?

Nach dem vorigen Beitrag — ‚Lebt es …?‚ — erhielt ich mehrere Zuschriften, denen allen ein gemeinsamer Gedanke zugrunde liegt. Obwohl ich das Gegenteil versichert hatte, äußern eine Reihe von Leuten den Verdacht, ich hätte mein Beispiel (‚Florian freut sich‘) eben doch so gewählt, dass es mir und Nikolaas Tinbergen ziemlich gut in den Kram passt. Ich solle bitte mal erklären, schreibt beispielsweise Leserin M., warum Leute sich eine Tätowierung machen lassen. Da kämen wir mit Tinbergen wohl nicht sehr weit. Leser F. kommt ebenfalls auf Tätowierungen zu sprechen und weist darauf hin, Tätowierungen seien ein rein kulturelles Merkmal — etwas, was unsere Kultur hervorgebracht hat. Das habe also mit Biologie, Evolution, und evolutionären Funktionen nichts zu tun, und Tinbergens Konzepte nutzen uns also hier gar nichts.

Gut — dann probieren wir das mal aus.

Zunächst einmal: Ich finde diese Nachfrage sehr gut. Ob jemand nun alle Achttausender besteigt, mit dem Fahrrad nach Indien fährt, oder sich eine Tätowierung machen lässt — es ist kein Zufall, dass es es gerade solche Aktivitäten sind, bei denen wir gerne mal nach der Motivation der Akteure fragen. Denn alle diese Aktivitäten haben eines gemeinsam: Es tut echt weh, solche Sachen zu tun! Das beschwört ja geradezu die Frage herauf: Warum sollten wir Dinge tun, die weh tun? Hält es einen etwa besonders fit, alle Achttausender zu besteigen? Ich bezweifle das — wahrscheinlich ist einem nachher der eine oder andere Zeh abgefroren. Es gibt also deutlich angenehmere Optionen, sich fit zu halten. Auch der Schmerz beim Tätowieren-lassen ist nicht zu verachten. Und wir tun es trotzdem.

Fazit: Da ist also etwas stärker als der Schmerz. Was kann das sein?

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#5 | Lebt es?

Wir betrachten also nun, wie verprochen, eine Idee von Nikolaas Tinbergen. Zu diesem Zweck legen wir uns irgendeine beliebige Frage zu irgendeinem menschlichen Verhalten vor. Zum Beispiel, ich greife da mal willkürlich etwas heraus, folgende Frage:

Warum freut sich Florian?

Vielleicht vermutet hier jemand ein abgekartetes Spiel? Suche ich die Frage womöglich genau so aus, dass sie Tinbergen und mir in den Kram passt? Nein — das würde ich nie tun. Ich wette vielmehr, diese Idee von Tinbergen hilft uns immer dann, wenn es um etwas geht, das lebt. Und die Psychologie gehört zu den Wissenschaften des Lebendigen. Das führt uns zu einer sehr einfachen Regel:

  • Lebt es?        Tinbergens Idee beherzigen.
  • Lebt nicht?   Interessantere Blogs lesen (z. B. über Immobilienhandel in der Kalahari).

Zurück zu unserer Frage und zu Tinbergens Idee.

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#4 | George und Julia

Geneigte Leserin, geneigter Leser dieses Blogs:

Wir wissen nun schon mindestens zwei Dinge:

Die Lehre aus ‚Aller Anfang ist leicht …‘ [siehe #2] lautet: Alltagspsychologie (naive Psychologie im positiven Sinne) und wissenschaftliche Psychologie weisen große Schnittmengen auf. Niemand hat dies schöner gesagt als Robert B. Joynson: „Die menschliche Natur ist kein unbekanntes Land, keine Terra incognita, auf der Karte des Wissens, sondern in der menschlichen Natur sind wir zu Zuhause.“

Die Lehre aus „Wunderbares, Wundersames …‘ [siehe #3] lautet: Nun gibt es unglaublich viele menschliche Verhaltensweisen, die wir gerne erklären möchten. Und das macht es natürlich so faszinierend, diese ganzen wunderbaren und wundersamen Dinge, die Menschen tun. Zugleich macht dieser Umstand unseren Job nicht leichter, ob als naive oder wissenschaftliche Psychologen. Wir fragen uns oft: Was hat sie oder ihn denn dazu bewegt, DAS jetzt zu machen? Und manchmal können wir es einfach nicht fassen.

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Um es besser zu fassen zu bekommen, brauchen wir Antworten auf drei verschiedene Fragen. Diese Antworten sind wie Werkzeuge — also wie Hammer, Zange, Schraubenzieher — sehr nützlich. Betrachten wir zunächst diese drei Fragen.

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#3 | Wunderbares, Wundersames …

Es gibt so unendlich viele motivationale Phänomene.

Also zunächst einmal gibt es Phänomene, da fragen wir uns staunend: WIE machen die das bloß? Bewunderung und Ehrfurcht sind angebracht.

Charles Darwin etwa sammelte jahrelang alle Hinweise, die er Mutter Natur entlocken konnte — und wartete 1859 mit der genialsten Idee der Welt auf.

Wenige Jahrzehnte später begann ein gewisser P. G. Wodehouse, und zwar ganz unbehelligt von Darwins großartiger Idee, zahlreiche sehr humorvolle Romane zu schreiben — die ich allesamt nur empfehlen kann — und Wodehouse hörte erst damit auf, als er starb. Keith Jarrett und Bob Dylan haben gemeinsam, dass beide ein großartiges Album nach dem anderen herausbringen; sie hören damit gar nicht mehr auf, glücklicher Weise. Jamie Oliver zeigt uns unermüdlich, wie wir schön kochen können.  John Le Carré hat den Bogen raus, was Spionageromane betrifft.  August Macke fand die leuchtendsten Farben, M. C. Escher wunderbare Verbindungen zwischen Kunst und Mathematik.  Und das sind nur so ein paar Beispiele — die Welt ist voll davon.  Alles wunderbare motivationale Phänomene — Menschen können wunderbare Dinge tun.

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#2 | Aller Anfang ist leicht …

Stell Dir vor, Du bist auf einer Party und sitzt an der Bar.  Jemand setzt sich neben Dich — eine nette Dame (falls Du männlich bist), ein netter Herr (falls Du weiblich bist). Der Einfachheit halber gehen wir mal davon aus, Du bist ein netter Typ (also männlich), und die Dame nebenan gibt allen Anlass, ihre Erscheinung und ihr Gebaren als äußerst erfreulich einzustufen. Ihr bestellt beide einen Tequila Sunrise. Kaum zu glauben — kann das Zufall sein?! Und es entwickelt sich ein so angenehmes Gespräch. So weit so gut. Irgendwann fragt Sie Dich: „Und was machst Du beruflich?“  Du sagst: „Ich bin Psychologe.“  Schlagartig gerät das Gespräch ins Stocken.  Sie erschrickt leicht — und fasst sich dann wieder, um zu sagen: „Oh, jetzt muss ich aber achtgeben, was ich sage, nicht wahr?“

Eine traurige Wendung.

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#1 | Motivation

„Was uns bewegt“ ist ein Blog über Motivation.

Das Wort Motivation stammt von dem lateinischem Verb ‚movere‘.  Dies bedeutet so viel wie bewegen.  Die zentrale Frage ist also: Was bewegt uns dazu, etwas zu tun?  Was sind die Ursachen unseres Handelns, und um welcher Ziele willen handeln wir?

Diese Frage nach den Erklärungen unseres Handelns schließt zwei weitere Fragen mit ein: (1) Wie tun wir etwas — sorgfältig oder nachlässig, intensiv oder eher nebenbei, gerne oder ungern, zögerlich oder zupackend?  (2) Wie fühlen wir uns, während wir etwas tun, und in welcher Weise beeinflussen diese Gefühle unser Tun?

Ein Freund fragte mich, nachdem er mein Lehrbuch der Motivation gelesen hatte:  „Das ist ja alles gut und schön. Und könntest Du jetzt vielleicht auch mal ein Buch darüber schreiben, wie Motivation nun letzten Endes wirklich funktioniert?“  Diese Frage hat mich seither beschäftigt: Wie funktioniert das wirklich mit der Motivation?

Fangen wir also einmal ganz von vorne an und schauen nach, was wir darüber wissen.  Alles was Du brauchst, um diesen Blog zu lesen, ist die Neugier auf die Frage:

Warum tun wir das?

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